StartseiteArtikelThemenBrief an einen Klienten

Lieber Klient,

nachdem ich - nach Ablauf unserer Sitzungen - schon mehrmals SMS und E-mails von dir erhalten habe, in denen du mir über deine Erfolge und Misserfolge berichtetest, möchte ich gern etwas dazu sagen.

Vordergründig freut es mich, da es dein Interesse ausdrückt, mich über die Auswirkung unserer Arbeit auf dem Laufenden zu halten. Das zeugt von einer Wertschätzung meiner Person und ist damit ein großes Kompliment.

Zugleich ist damit auch der Wunsch verbunden, dass ich weiter an deinem Leben teilhabe. Damit rücke ich jedoch aus der erforderlichen distanzierten professionellen Position in die eines Bekannten oder sogar Freundes, dem es nicht gleich-gültig ist, was mit dir passiert. Was dazu führen würde, dass ich mein(!) Befinden von deinem Befinden abhängig mache und damit ein Helfersyndrom entwickle. Das wäre nicht ganz so schlimm, wenn dein Befinden wirklich hunderprozentig von meiner Leistung abhängt, dann hätte ich wirklich einen Einfluss darauf. So aber würde ich mein Befinden von deinem Befinden abhängig machen und damit von Umständen die in dir und deiner Umwelt liegen. Für mein (Wohl-)Befinden ist es also wichtig, meine Arbeit bestmöglich zu machen und dich dann - vollständig - loszulassen.

Für dein Wohlbefinden allerdings auch!
Zum einen brauchst du dich dann nicht daran zu orientieren, was ich gut oder schlecht finde. Du brauchst dir keine Gedanken zu machen, was ich von deinen (Fort-)Schritten halte. Du bist frei von meinen Gedanken und damit Einflüssen. Damit würde ich dir auch zutrauen, dass du als erwachsener Mensch mit deinen Aufgaben zu Recht kommst und dich nicht wie ein hilfloses, (von mir) abhängiges Kind behandeln.
Zum anderen bleibst du dann in deiner Kraft. Ich verwende das Wort ganz bewusst, weil mit jeder Schwierigkeit, die du bewältigst, ein Maß an Kraft in dir wächst. Du kannst es förmlich spüren. Wenn du direkt nach deinem Erfolg es anderen weitererzählst, was passiert dann mit der Kraft? Sie geht verloren! Sie sollte dazu dienen, dass du dein Leben noch besser bewältigst und ist dann vergeudet. (Etwas anderes ist es, viel später andere Menschen daran teilhaben zu lassen, weil ihnen das eventuell in die eigene Kraft hilft.) Auch wenn du noch keinen Erfolg hast und die Situation schwierig erscheint, löst du sie erst dann, wenn du auf deine eigene Kraft schaust. Denn du hast immer die Kraft in dir, die zur Lösung einer Schwierigkeit und damit zum Wachstum erforderlich ist.

Das bedeutet nicht, dass du um jeden Preis allein zu Recht kommen sollst. Wenn du meine Unterstützung brauchst, dann bin ich da - als dein Coach. Meine Wertschätzung hast du in jedem Fall - dazu brauch ich nicht dein Freund sein.

Alles Liebe
Dein Coach


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